Woher kommt der Begriff Hub Score?
Der Hub Score stammt aus der Informatik, nicht aus dem SEO-Marketing. Jon Kleinberg beschrieb 1999 im Journal of the ACM den Algorithmus HITS (Hyperlink-Induced Topic Search), der Webseiten zwei Werte zuordnet: einen Authority Score und einen Hub Score.
Die Idee ist ein gegenseitiges Verhältnis. Eine gute Authority ist eine Seite, auf die viele gute Hubs verweisen. Ein guter Hub ist eine Seite, die auf viele gute Authorities verweist. Beide Werte werden abwechselnd berechnet, bis sie sich stabilisieren. Ein Hub ist in diesem Modell also kein Ort mit eigener Tiefe, sondern ein Wegweiser mit gutem Urteil.
HITS berechnet die Werte zur Laufzeit einer Suchanfrage, bezogen auf die Seiten zu genau diesem Thema. Das ist aufwendig. In großen Websuchmaschinen hat sich das Verfahren deshalb nach allgemein zugänglicher Darstellung kaum durchgesetzt; ein ähnlicher Ansatz wird der Suchmaschine Teoma zugeschrieben, die später zu Ask.com gehörte.
Wer heute von „Hub Score Optimization“ liest, begegnet also einem 25 Jahre alten Forschungsbegriff in neuer Verpackung. Das ist kein Vorwurf – gute Ideen dürfen alt sein. Es ist aber ein Grund, genau hinzusehen, was davon heute belegt ist.
Misst Google einen Hub Score?
Nein – zumindest ist kein solcher Wert öffentlich dokumentiert, und Google veröffentlicht ihn auch nirgends. Wer einen „Hub Score“ als Rankingfaktor verkauft, verkauft eine Annahme.
Belegt ist etwas Allgemeineres: Google nutzt Links, um neue Seiten zu entdecken, und als Signal, um die Relevanz von Seiten einzuschätzen. Ankertexte helfen dabei, zu verstehen, worum es auf der verlinkten Seite geht. Google empfiehlt außerdem, dass jede wichtige Seite von mindestens einer anderen Seite verlinkt ist, und dass Links als echte <a href>-Elemente umgesetzt werden, damit sie gecrawlt werden können.
Auch zur Hierarchie einer Website gibt es eine belegte Aussage: Google nutzt Breadcrumb-Markup (BreadcrumbList) in strukturierten Daten, um die Informationen einer Seite in den Suchergebnissen einzuordnen. Die Position einer Seite innerhalb eines Themas lässt sich also explizit auszeichnen – eine Garantie für bessere Rankings ist das nicht, aber eine klare Auskunft über die Struktur.
In Fachartikeln taucht „Hub Score Optimization“ inzwischen als Begriff für die Stärke eines ganzen Themenclusters auf. Als Denkmodell ist das nachvollziehbar. Problematisch wird es erst, wenn aus dem Denkmodell eine Zahl wird, die man angeblich direkt optimieren kann.
In Content-Projekten haben wir uns lange daran gewöhnt, Kennzahlen zu jagen, die ein Tool ausgibt. Beim Hub Score gibt es keine Zahl von Google, nur eine Frage: Versteht ein Suchsystem, dass diese Seite der Einstieg in ein Thema ist?
Was macht eine Seite zum Knotenpunkt ihres Themas?
Eine Seite wird zum Knotenpunkt ihres Themas, wenn sie vier Dinge leistet: Sie wird gefunden, sie ordnet das Thema als Wissensstruktur, sie beantwortet dessen Leitfragen und sie wird als Einstieg ausgewählt. Das entspricht den vier Stufen des Meusel Visibility Framework – und die Reihenfolge ist nicht beliebig.
Gefunden zu werden ist nicht dasselbe wie verstanden, beantwortet oder ausgewählt zu werden. Ein Themen-Hub, der perfekt formuliert ist, aber von keiner Seite verlinkt wird, bleibt ein gut geschriebenes Geheimnis.
Ein Hub ist keine Seite mit vielen Links. Ein Hub ist eine Seite, die ein Thema ordnet – und dann auf die besten Antworten zeigt.
SEO – Findability: Ist der Hub erreichbar und verbunden?
SEO (Findability) umfasst alle Maßnahmen, die sicherstellen, dass ein Inhalt von Suchmaschinen gefunden, technisch korrekt erfasst und thematisch eingeordnet wird. Für einen Hub heißt das: Er ist indexiert, aus der Navigation erreichbar, verlinkt alle zugehörigen Unterseiten (Spokes) mit beschreibenden Ankertexten – und die Spokes verlinken zurück.
GEO – Processability: Ordnet der Hub das Thema?
GEO (Processability) meint im Meusel Visibility Framework die Optimierung von Inhalten, damit KI-Systeme sie nicht nur lesen, sondern als eigenständige Wissenseinheiten verstehen und verarbeiten können; in der Branche wird der Begriff teils weiter gefasst. Ein Hub leistet das, wenn er das Thema gliedert: Begriffe definiert, Unterthemen voneinander abgrenzt und für jedes Unterthema klar sagt, wo die Vertiefung steht. Eine Liste von Links ohne diese Ordnung ist ein Inhaltsverzeichnis, kein Hub.
AEO – Answerability: Beantwortet der Hub die Leitfragen selbst?
AEO (Answerability) steht für die Optimierung von Inhalten, damit sie eine konkrete Frage direkt, eindeutig und belastbar beantworten. Ein guter Hub beantwortet die wichtigsten Fragen seines Themas kurz selbst – in zwei, drei Sätzen – und verweist für die Tiefe auf den passenden Spoke. So ist er für den schnellen Leser eine Antwort und für den gründlichen ein Wegweiser.
Trust – Selectability: Wird der Hub als Einstieg ausgewählt?
Trust (Selectability) umfasst alle Signale, die zeigen, dass ein Inhalt von einer kompetenten, transparenten und aktuellen Quelle stammt – und damit entscheiden, ob er als Quelle ausgewählt, zitiert oder empfohlen wird. Für einen Hub zählen vor allem Aktualität (verweist er auf den aktuellen Stand?), Konsistenz (widersprechen sich Hub und Spokes?) und erkennbare Autorschaft. Trust entscheidet am Ende – aufgebaut wird er auf jeder Ebene.

Wie prüft man die Qualität eines Themen-Hubs, ohne eine Metrik zu erfinden?
Die Qualität eines Themen-Hubs lässt sich mit sieben Prüffragen bewerten, die jeweils mit Ja oder Nein beantwortet werden können. Das Ergebnis ist kein Score, sondern eine Liste konkreter Lücken – und damit genau das, was man für die nächste Überarbeitung braucht.
- Erreichbarkeit: Ist der Hub indexiert und aus der Hauptnavigation oder einer Übersichtsseite mit höchstens zwei Klicks erreichbar? (Search Console, Crawl)
- Vollständige Verlinkung: Verlinkt der Hub jeden Spoke des Themas mit einem beschreibenden Ankertext – und gibt es keine Spokes, die nirgends vom Hub aus erreichbar sind? (Crawl der internen Links)
- Rückverlinkung: Verlinkt jeder Spoke sichtbar zurück auf den Hub? (Crawl, Breadcrumb)
- Gliederung: Definiert der Hub die zentralen Begriffe und grenzt die Unterthemen so ab, dass jedes genau einen Spoke hat? (Redaktionelle Prüfung)
- Antworten: Beantwortet der Hub die fünf bis zehn wichtigsten Fragen des Themas jeweils kurz selbst? (Abgleich mit Suchanfragen aus der Search Console und Kundenfragen)
- Konsistenz: Sagen Hub und Spokes dasselbe – gleiche Begriffe, gleiche Zahlen, gleicher Stand? (Content-Audit)
- Aktualität und Absender: Ist der Hub datiert, einem Autor zugeordnet und auf dem Stand der Spokes? (Redaktionelle Prüfung)
Die Fragen 1 bis 3 lassen sich mit einem Crawler und der Search Console weitgehend automatisch beantworten. Die Fragen 4 bis 7 brauchen einen Menschen, der das Thema versteht. Nach unserer Beobachtung liegen die meisten Lücken genau dort – nicht in der Technik.
Einige Crawler und Analyse-Tools berechnen für den internen Linkgraph einer Website eigene Hub- oder Autoritätswerte. Das kann eine nützliche Diagnose der eigenen Struktur sein. Es ist aber eine Aussage über die eigene Verlinkung, nicht darüber, wie Google oder ein KI-System die Seite bewertet.
Vier typische Fehler bei Themen-Hubs
Die meisten schwachen Themen-Hubs scheitern nicht an fehlendem Inhalt, sondern an einem von vier wiederkehrenden Mustern. Sie lassen sich mit den Prüffragen oben gezielt finden.
Der Hub als Linkliste. Die Seite zählt Unterseiten auf, erklärt aber weder das Thema noch, warum welche Unterseite wofür da ist. Für Leser ist das ein Umweg, für Suchsysteme eine Seite ohne eigenen Inhalt. Betroffen sind vor allem die Prüffragen 4 und 5.
Zwei Hubs für ein Thema. Eine Leistungsseite, eine Blog-Kategorie und ein Ratgeber-Artikel verstehen sich gleichzeitig als Einstieg in dasselbe Thema. Die Folge sind konkurrierende Seiten, verteilte interne Links und widersprüchliche Aussagen. Die Lösung ist eine Entscheidung: Eine Seite wird Hub, die anderen werden Spokes oder verweisen auf ihn.
Verwaiste Spokes. Neue Beiträge werden veröffentlicht, aber nie im Hub ergänzt. Sie sind über das Blog-Archiv erreichbar, gehören strukturell aber zu keinem Thema. Das fällt erst auf, wenn man den Linkgraph crawlt (Prüffragen 2 und 3).
Der eingefrorene Hub. Die Spokes werden aktualisiert, der Hub nicht. Nach einem Jahr verweist er auf veraltete Zahlen, fasst Inhalte falsch zusammen oder nennt Unterthemen, die es nicht mehr gibt. Dieser Fehler kostet am ehesten Vertrauen (Prüffragen 6 und 7), weil der Einstieg ins Thema als erstes gelesen wird.
Nach unserer Erfahrung ist der zweite Fehler der teuerste: Er entsteht meist nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil mehrere Teams an einem Thema arbeiten, ohne dass jemand die Struktur verantwortet. Ein Themen-Hub braucht deshalb nicht nur einen Autor, sondern einen Eigentümer.
Praxisbeispiel: Wie wir die Leistungsseiten dieser Website als Hubs gebaut haben
Die Leistungsseiten von maxonline-marketing.de sind selbst als Themen-Hubs angelegt. Das Beispiel zeigt, wie die sieben Prüffragen in eine Struktur übersetzt werden – ohne Anspruch darauf, dass diese Struktur schon messbar besser rankt. Dafür ist sie zu neu.
Struktur. Jede Leistung ist ein Hub, zum Beispiel „Content-Strategie & Themen-Hubs“ unter /leistungen/content-strategie/. Die Fachbeiträge (Knowledge Cases) liegen als Spokes direkt darunter: /leistungen/content-strategie/knowledge-cases/…. Die URL zeigt damit dieselbe Hierarchie wie die Navigation.
Verlinkung in beide Richtungen. Die Leistungsseite zeigt die neuesten Knowledge Cases ihrer Leistung und verlinkt auf eine vollständige Übersicht. Jeder Knowledge Case verlinkt über die Breadcrumb (Start › Leistungen › Leistung › Knowledge Cases › Beitrag) zurück auf seinen Hub; die Breadcrumb ist zusätzlich als strukturierte Daten (BreadcrumbList) ausgezeichnet.
Genau ein Zuhause. Jeder Beitrag hat genau eine primäre Leistung, die seine URL bestimmt. Weitere Bezüge – andere Leistungen, Stufen des Frameworks, Branchen – sind nur Verknüpfungen, keine zweiten Adressen. So konkurrieren keine zwei Hubs um denselben Spoke.
Was noch fehlt. Frage 5 ist bei den meisten Leistungsseiten erst teilweise erfüllt: Sie beantworten die Leitfragen ihres Themas noch nicht alle selbst. Das ist die nächste Ausbaustufe – und ein guter Hinweis darauf, dass eine saubere Struktur allein noch keinen Knotenpunkt macht.
Was bedeutet das für Ihre Themen-Hubs?
Wer Themen-Hubs baut, sollte an der Struktur arbeiten, nicht an einer Zahl. Fünf Konsequenzen:
- Den Begriff einordnen, nicht jagen. Hub Score ist ein Denkmodell aus der Linkanalyse. Es gibt keinen öffentlichen Wert von Google, den man direkt verbessern könnte.
- Jedes Thema bekommt genau einen Hub. Zwei Seiten, die sich beide als Einstieg in dasselbe Thema verstehen, schwächen sich gegenseitig.
- Verlinkung in beide Richtungen prüfen. Hub zu Spoke und Spoke zu Hub, mit beschreibenden Ankertexten und als echte Links.
- Den Hub antworten lassen. Die Leitfragen des Themas gehören kurz auf den Hub, die Tiefe in die Spokes.
- Hub und Spokes gemeinsam pflegen. Ein aktualisierter Spoke mit veraltetem Hub erzeugt genau die Widersprüche, die Vertrauen kosten.
Quellen & weiterführende Links
- Content-Strategie & Themen-Hubs – Leistungsseite maxonline
- Intent Density – Knowledge Case maxonline
- KI-Sichtbarkeit heute – Knowledge Case maxonline
- KI-Sichtbarkeit messen – Knowledge Case maxonline
- Authoritative Sources in a Hyperlinked Environment (Journal of the ACM 46/5, S. 604–632) – Jon M. Kleinberg, 1999
- HITS algorithm – Wikipedia, abgerufen 2026
- SEO Link Best Practices for Google – Google Search Central, 2026
- How To Add Breadcrumb (BreadcrumbList) Markup – Google Search Central, 2026